Gründungszuschuss · § 93 SGB III · erklärt von einer fachkundigen Stelle
Gründungszuschuss: aus dem ALG I in die Selbstständigkeit – mit bis zu 15 Monaten Förderung.
Der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit ist die wichtigste Förderung für alle, die aus dem Arbeitslosengeld I heraus gründen: Du behältst zunächst dein ALG I in voller Höhe, bekommst 300 € für die Sozialversicherung obendrauf – und musst nichts davon zurückzahlen. Hier steht, wer ihn bekommt, wie viel es ist und wie der Antrag läuft. Ohne Amtsdeutsch.
Voraussetzungen
Wer den Gründungszuschuss bekommen kann
Die formalen Hürden sind überschaubar – entscheidend ist am Ende die Ermessensentscheidung deiner Vermittlungskraft. Der Zuschuss ist keine Pflichtleistung: Auch wer alle Kästchen abhakt, muss die Agentur davon überzeugen, dass die Gründung der schnellste Weg aus der Arbeitslosigkeit ist. Genau dafür sind Businessplan und Auftreten im Gespräch so wichtig.
Wichtig für Bürgergeld-Empfänger: Der Gründungszuschuss gilt nur für ALG I. Beim Jobcenter heißt das Pendant Einstiegsgeld (§ 16b SGB II) – anderes Verfahren, andere Höhe. Sprich uns an, wir kennen beide Wege.
- Du beziehst Arbeitslosengeld Iund bist arbeitslos gemeldet. Ein einziger Tag Arbeitslosigkeit vor der Gründung reicht formal aus – direkt aus dem Job heraus gibt es den Zuschuss nicht.
- Mindestens 150 Tage Restanspruchauf ALG I am Tag der Gründung. Das ist die härteste Frist: Wer zu lange wartet, rutscht drunter und verliert den Anspruch unwiderruflich. Rechne früh!
- Hauptberufliche Selbstständigkeitmit mindestens 15 Stunden pro Woche – auch bei der Gewerbeanmeldung bzw. Anmeldung beim Finanzamt als Haupterwerb angegeben, nicht als Nebenerwerb.
- Tragfähigkeitsnachweisdurch Businessplan mit Finanzteil und die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle.
- Persönliche Eignung– fachliche Qualifikation und kaufmännische Grundkenntnisse. Fehlen Letztere, kann die Agentur die Teilnahme an einem Gründerkurs verlangen; unsere AVGS-Gründerberatung deckt genau das ab.
- Kein erneuter Zuschuss innerhalb der Sperrfrist– wer schon einmal gefördert wurde, muss Wartezeiten beachten (24 Monate seit Ende der letzten Förderung).
Förderhöhe
Zwei Phasen – so viel Geld ist es wirklich
Die Höhe hängt von deinem ALG I ab. Beispiel: Bei 1.400 € ALG I bekommst du in Phase 1 monatlich 1.700 € (1.400 + 300) – über sechs Monate sind das 10.200 €. Mit Phase 2 kommen noch einmal 2.700 € dazu: insgesamt bis zu 12.900 €, die nicht zurückgezahlt werden.
ALG I + 300 € pauschal
Du erhältst sechs Monate lang einen Zuschuss in Höhe deines bisherigen Arbeitslosengeldes plus 300 € monatlich als Pauschale für deine soziale Absicherung – gedacht vor allem für die Kranken- und Pflegeversicherung, die du als Selbstständiger selbst zahlst.
Wird mit dem Antrag vor Gründung beantragt. Ermessensleistung – der Businessplan entscheidet mit.
Weitere 9 × 300 €
Auf gesonderten Antrag kann die Förderung um neun Monate verlängert werden – dann nur noch die 300 €-Pauschale. Du musst dafür deine hauptberufliche Geschäftstätigkeit nachweisen: kurze Darstellung der Geschäftsentwicklung, Umsätze, Ausblick.
Rechtzeitig vor Ende von Phase 1 stellen. Wir bereiten den Nachweis mit unseren Gründern gemeinsam vor.
Steuerlich: Der Gründungszuschuss ist steuerfrei und unterliegt nicht dem Progressionsvorbehalt – er taucht in deiner Einkommensteuer also nicht auf und erhöht auch nicht den Steuersatz auf deine Gewinne.
Der Antrag
In fünf Schritten zum Gründungszuschuss
- Absicht mitteilen & Antrag anfordern
Sag deiner Vermittlungskraft früh, dass du gründen willst, und lass dir die Antragsunterlagen geben. Ab jetzt zählt jede Woche wegen der 150-Tage-Frist.
- Businessplan erstellen
Textteil plus Finanzteil mit Umsatz-, Rentabilitäts- und Liquiditätsplanung. Selbst schreiben mit Coaching – oder erstellen lassen.
- Fachkundige Stellungnahme einholen
Eine fachkundige Stelle bestätigt die Tragfähigkeit. Als anerkannte Stelle stellen wir sie kurzfristig aus.
- Gründung anmelden
Gewerbeanmeldung bzw. Anmeldung beim Finanzamt – als Haupterwerb. Der Tag der Aufnahme muss innerhalb der 150-Tage-Frist liegen.
- Antrag einreichen & Gespräch
Vollständige Unterlagen abgeben, Fragen der Agentur souverän beantworten. Auf dieses Gespräch bereiten wir dich vor.
Der häufigste Fehler: erst gründen, dann beantragen. Der Antrag muss vor Aufnahme der Selbstständigkeit gestellt werden – wer die Reihenfolge vertauscht, bekommt nichts. Zweithäufigster Fehler: die 150-Tage-Frist verstreichen lassen, weil der Businessplan nicht fertig wird.
Aus der Praxis der fachkundigen Stelle
Die sechs häufigsten Ablehnungsgründe – und wie du sie vermeidest
Der Gründungszuschuss ist eine Ermessensleistung, und Agenturen lehnen einen erheblichen Teil der Anträge ab. Fast immer aus einem dieser Gründe:
Bist du gut vermittelbar, verweist die Agentur gern auf offene Stellen. Gegenmittel: im Gespräch belegen, warum die Selbstständigkeit deine Beschäftigungschancen dauerhaft besser stellt als die verfügbaren Stellenangebote – das ist Argumentationsarbeit, die man vorbereiten kann.
Umsätze ohne Herleitung, vergessene Kranken- und Rentenversicherung, Privatentnahme unter dem Existenzminimum. Gegenmittel: ein Finanzplan, in dem jede Zahl eine Quelle hat – unser Kerngeschäft beim Businessplan.
Gewerbe angemeldet, dann zum Amt – zu spät, keine Heilung möglich. Gegenmittel: Reihenfolge einhalten: Antrag stellen, dann gründen.
Businessplan zog sich, Restanspruch unter 150 Tage gerutscht. Gegenmittel: früh rechnen und mit Frist arbeiten – wir erstellen Businesspläne auch kurzfristig, wenn die Uhr tickt.
Fachlich top, aber keine kaufmännischen Kenntnisse nachweisbar. Gegenmittel: Nachweise sammeln (Zeugnisse, Fortbildungen) oder gezielt nachlegen – die AVGS-Gründerberatung ist genau dieser Nachweis.
Bei Gewerbeamt oder Finanzamt „Nebenerwerb“ angekreuzt, unter 15 Wochenstunden geplant oder parallel einen Job über 15 Stunden behalten. Gegenmittel: konsequent als Haupterwerb anmelden und planen – die Angaben müssen überall übereinstimmen.
Wir kennen beide Seiten des Antrags
Als AZAV-zertifizierter Träger begleiten wir Gründer durch die Beratung, als fachkundige Stelle prüfen wir Businesspläne auf Tragfähigkeit. Vorgespräch, Fristen-Check und die Einschätzung, ob dein Vorhaben Chancen hat – kostenlos und ehrlich.
Häufige Fragen
Gründungszuschuss – kurz beantwortet
Habe ich einen Rechtsanspruch auf den Gründungszuschuss?
Nein. Der Gründungszuschuss ist seit 2011 eine reine Ermessensleistung – die Agentur kann fördern, muss aber nicht. Erfüllte Voraussetzungen sind die Eintrittskarte, überzeugen musst du mit Businessplan und Gespräch. Gegen eine Ablehnung kannst du Widerspruch einlegen; besser ist, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.
Ich habe selbst gekündigt – bekomme ich trotzdem den Zuschuss?
Grundsätzlich möglich, aber Vorsicht: Eine Eigenkündigung ohne wichtigen Grund löst in der Regel eine Sperrzeit von zwölf Wochen beim ALG I aus. Die verkürzt deinen Anspruch – und kann dich unter die 150-Tage-Grenze drücken. Wer aus einem bestehenden Job heraus in die Gründung will, sollte die Reihenfolge und den Zeitplan vorher genau durchrechnen. Das gehört in jedes seriöse Vorgespräch.
Muss ich arbeitslos sein, oder reicht arbeitsuchend?
Du musst arbeitslos gemeldet sein und ALG I beziehen – arbeitsuchend allein reicht nicht, und direkt aus der Beschäftigung heraus gibt es keinen Gründungszuschuss. Formal genügt aber schon ein Tag Arbeitslosigkeit zwischen Job und Gründung.
Darf ich nebenbei noch angestellt arbeiten?
Die Selbstständigkeit muss hauptberuflich bleiben. Eine Nebentätigkeit unter 15 Stunden pro Woche ist möglich – sobald du daneben 15 Stunden oder mehr angestellt arbeitest, gilt die Selbstständigkeit nicht mehr als hauptberuflich und die Förderung entfällt.
Was zählt als „Aufnahme der Selbstständigkeit“?
Der Tag, an dem du die selbstständige Tätigkeit tatsächlich hauptberuflich aufnimmst – dokumentiert in der Regel durch Gewerbeanmeldung bzw. die Anmeldung beim Finanzamt (Freiberufler) mit dem entsprechenden Startdatum als Haupterwerb. Dieses Datum muss nach der Antragstellung liegen und innerhalb deiner 150-Tage-Frist.
Wird der Zuschuss auf spätere Leistungen angerechnet oder versteuert?
Der Gründungszuschuss ist steuerfrei und unterliegt nicht dem Progressionsvorbehalt. Beachte aber: Während des Bezugs verbrauchst du in Phase 1 deinen ALG-I-Anspruch nicht zusätzlich – die Details zur Anspruchsminderung erklären wir im Gespräch, da hier oft Verwirrung herrscht.
Was ist mit Krankenversicherung und Rente?
Als Selbstständiger bist du für beides selbst verantwortlich – dafür ist die 300 €-Pauschale gedacht. Du kannst freiwillig gesetzlich versichert bleiben oder privat wechseln; manche Berufe sind zudem rentenversicherungspflichtig. Diese Kosten gehören zwingend in den Finanzplan – ihr Fehlen ist Ablehnungsgrund Nummer zwei.
Kann ich Gründungszuschuss und AVGS kombinieren?
Ja, und das ist der Königsweg: Erst die AVGS-geförderte Gründerberatung (kostenlos), in der Businessplan und Eignungsnachweis entstehen – dann der Antrag auf Gründungszuschuss mit fertigen Unterlagen und fachkundiger Stellungnahme aus einer Hand. Beides sind getrennte Förderungen, die sich nicht ausschließen.