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Sozialversicherung für Selbstständige

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Über den Kurs

Als Selbstständiger bist du nur in der Kranken- und Pflegeversicherung automatisch pflichtversichert. Alles andere ist deine Entscheidung. Das ist die Freiheit – und das Risiko. Bei zwei Zweigen laufen Fristen, die du nicht nachholen kannst; wer sie verpasst, merkt es erst, wenn er die Versicherung braucht. Dieser Text fasst zusammen, was im Kurs in drei Lerneinheiten erklärt wird.

Woher das System kommt

Die Sozialversicherung in Deutschland geht auf Reichskanzler Otto von Bismarck zurück, der sie einführte, um die Arbeiterbewegung zu besänftigen und soziale Unruhen einzudämmen. Die Reihenfolge: Krankenversicherung 1883, Unfallversicherung 1884, Alters- und Invalidenversicherung beziehungsweise Rentenversicherung 1889/1891 – und erst Jahrzehnte später, 1927, die Arbeitslosenversicherung. Wichtig war das System, weil die Arbeiter durch die Bedingungen der Industrialisierung stark gefährdet waren.

Die fünf Zweige aus Sicht eines Selbstständigen

Zweig Beitrag Besonderheit Pflicht?
Krankenversicherung 14,6 % des Einkommens plus Zusatzbeitrag, durchschnittlich 2,5 % Pflicht
Pflegeversicherung 3,6 % für Kinderlose 0,6 % mehr, also 4,2 % Pflicht (folgt der Krankenversicherung)
Rentenversicherung 18,6 % Mindest- und Höchstbeitrag nur für bestimmte Gruppen
Arbeitslosenversicherung 2,6 % freiwillige Weiterversicherung auf Antrag keine Pflicht
Unfallversicherung nach Gefahrklasse Träger ist die Berufsgenossenschaft je nach BG Pflicht oder freiwillig

Krankenversicherung: GKV oder PKV

Versichert sein muss jeder, der in Deutschland lebt. Als Selbstständiger hast du aber die Wahl: freiwillig gesetzlich (GKV) oder privat (PKV). Privat versichern können sich Selbstständige, Angestellte über der Jahresarbeitsentgeltgrenze – im Kurs mit 69.000 Euro angesetzt – und Beamte.

Der GKV-Beitrag ist ein fester Prozentsatz vom Einkommen: 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag, durchschnittlich zusammen 17,1 Prozent. Zwei Grenzen machen daraus in der Praxis etwas anderes als eine reine Prozentrechnung:

  • Nach unten gibt es eine Mindestbemessungsgrundlage. Wer im ersten Jahr nur 600 Euro im Monat verdient, zahlt trotzdem einen Mindestbeitrag – das ist die Position, die viele Gründer unterschätzen.
  • Nach oben gibt es die Beitragsbemessungsgrenze. Darüber steigt der Beitrag nicht weiter.

Ein Rechenbeispiel aus dem Kurs: 2.400 Euro Einkommen im Monat, 14,6 Prozent plus 2,5 Prozent Zusatzbeitrag – rund 410 Euro im Monat.

Die PKV funktioniert anders: Der Beitrag hängt nicht vom Einkommen ab, sondern von Alter und Gesundheit, und er bleibt in absoluten Zahlen gleich, wenn du mehr verdienst. Im Kursbeispiel sind das 600 Euro im Monat – bei hohem Einkommen günstiger als die GKV, bei niedrigem deutlich teurer. Dazu kommen in der Regel kürzere Wartezeiten und ein besserer Leistungsumfang.

Die Risiken der PKV gehören aber auf denselben Zettel:

  • Keine beitragsfreie Familienversicherung. Die GKV versichert Familienangehörige ohne eigenes Einkommen mit; in der PKV zahlt jedes Kind seinen eigenen Beitrag. Wird der gesetzlich versicherte Ehepartner arbeitslos, werden spätestens dann auch die Kinder privat beitragspflichtig.
  • Der Beitrag steigt mit dem Alter – und er steigt auch in der Rente weiter, wenn das Einkommen sinkt.
  • Die PKV darf ablehnen. Sie muss niemanden annehmen, etwa Menschen mit Vorerkrankungen oder erhöhtem Risiko. Die GKV ist ein Solidarsystem, die PKV ist gewinnorientiert.
  • Die Rückkehr in die GKV ist nicht ohne Weiteres möglich. Das soll verhindern, dass man sich in der Jugend günstig privat und im Alter teuer gesetzlich versichert. Welche Wege es gibt, zeigen wir im Kurs – es sind wenige.

Die Entscheidung ist in der Praxis eine Einbahnstraße. Wer jung, gesund, kinderlos und gut verdienend ist, rechnet sich die PKV leicht schön. Die Rechnung gilt aber für 40 Jahre, nicht für fünf.

Rentenversicherung: für wen sie doch Pflicht ist

Als Selbstständiger gehen von deinem Konto keine Rentenbeiträge ab – und das ist in vielen Fällen richtig: Selbstständige sind grundsätzlich nicht rentenversicherungspflichtig. Es gibt aber Ausnahmen, und sie treffen mehr Menschen, als man denkt:

  • die meisten Handwerker, besonders in zulassungspflichtigen Berufen,
  • Dozenten und Lehrende, auch ohne Angestellte,
  • wer dauerhaft für einen einzigen Auftraggeber arbeitet und keine Mitarbeiter hat – dann liegt Scheinselbstständigkeit vor, und damit Rentenversicherungspflicht.

Bist du pflichtversichert, gilt der Regelbeitrag von 657,51 Euro im Monat (in den neuen Bundesländern 644,49 Euro) – mit einer wichtigen Erleichterung: In den ersten drei Jahren zahlst du nur den halben Regelbeitrag. Alternativ kann der Beitrag einkommensabhängig berechnet werden, zwischen Mindest- und Höchstbetrag.

Bist du nicht pflichtversichert, kannst du freiwillig einzahlen: ebenfalls 18,6 Prozent, mit einem Mindestbeitrag von 100,07 Euro und einem Höchstbeitrag von 1.404,30 Euro im Monat, dazwischen frei wählbar. Das ist für Gründer oft interessanter als es klingt, weil kleine Beiträge Anwartschaften erhalten.

Die Rentenhöhe ergibt sich später aus der Formel:

Rente = Entgeltpunkte × aktueller Rentenwert × Zugangsfaktor × Rentenartfaktor

Besonders wichtig ist die Erwerbsminderungsrente. Hier gilt der Grundsatz Reha vor Rente: Zuerst wird versucht, die Erwerbsfähigkeit durch berufliche oder medizinische Rehabilitation wiederherzustellen. Und ein Punkt, der viele überrascht: Schon ein Minijob kann den Anspruch auf Erwerbsminderungsrente sichern, weil er die nötigen Beitragszeiten mitbringt. Wer völlig ohne Rentenbeiträge selbstständig ist, hat im Fall einer Erkrankung keinen Anspruch – das ist die größte stille Lücke in der Absicherung von Soloselbstständigen.

Arbeitslosenversicherung: die Frist von drei Monaten

Für Selbstständige ist die Arbeitslosenversicherung keine Pflicht, aber es gibt die freiwillige Weiterversicherung – die Antragspflichtversicherung nach § 28a SGB III. Sie ist das stärkste Sicherheitsnetz, das Gründer bekommen können, und die meisten verpassen sie.

Voraussetzungen:

  • in den letzten 30 Monaten vor der Gründung mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt oder unmittelbar vorher Arbeitslosengeld bezogen,
  • die Selbstständigkeit umfasst mindestens 15 Stunden pro Woche,
  • der Antrag innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme der Selbstständigkeit bei der Agentur für Arbeit. Danach ist die Tür zu – dauerhaft.

Kosten: ein Festbetrag, 2,6 Prozent der monatlichen Bezugsgröße. 2025 sind das 3.745 Euro, also 97,37 Euro im Monat – und im ersten Jahr nur die Hälfte, 48,69 Euro. Unabhängig vom Gewinn: Wer 1.000 Euro verdient, zahlt dasselbe wie jemand mit 8.000 Euro.

Was du dafür bekommst: Nach zwölf Monaten Beitrag in den letzten 30 Monaten entsteht ein neuer Anspruch auf Arbeitslosengeld I – zwölf Monate, ab 50 Jahren gestaffelt bis 24 Monate. Die Höhe richtet sich nicht nach deinem Gewinn, sondern fiktiv nach deiner Qualifikation (grob gerundete Werte für 2025, ohne Kind):

Qualifikation Arbeitslosengeld I, monatlich
Hochschulabschluss rund 1.800 €
Meister oder Fachschule rund 1.500 €
Ausbildung rund 1.250 €
ohne Ausbildung rund 950 €

Die Bedingung im Ernstfall: Die Selbstständigkeit muss beendet oder auf unter 15 Stunden pro Woche reduziert sein – das Gewerbe musst du dafür nicht aufgeben. Kündigen kannst du mit drei Monaten Frist, frühestens nach fünf Jahren; und du fliegst automatisch heraus, wenn du drei Monate mit den Beiträgen im Rückstand bist – ohne neuen Antrag.

Das Beispiel aus dem Kurs: Jan, IT-Dienstleister, war 15 Jahre angestellt und drei Monate arbeitslos. Er zahlt im ersten Jahr 48,69 Euro, danach 97,37 Euro – über fünf Jahre rund 5.250 Euro. Scheitert das Geschäft im vierten Jahr, bekommt er als Fachinformatiker mit Ausbildung rund 1.250 Euro für zwölf Monate, also 15.000 Euro, plus Vermittlung und Weiterbildung. Er stellt den Antrag in Woche drei, zusammen mit der Meldung beim Finanzamt.

Merke: Die Höhe richtet sich nach der Qualifikation, nicht nach dem Einkommen. Für Akademiker und Meister lohnt sich der Beitrag fast immer.

Unfallversicherung: die Berufsgenossenschaft

Träger sind die Berufsgenossenschaften, nach Branche sortiert – BG Bau, BG Holz und Metall, BG Handel, BG Gesundheitsdienst, die Verwaltungs-BG und weitere. Versichert sind Arbeitsunfälle, Wegeunfälle und Berufskrankheiten.

Für Mitarbeiter ist sie Pflicht, und den Beitrag trägt allein der Arbeitgeber – nicht anteilig wie bei den übrigen Zweigen. Der Betrieb muss sich innerhalb einer Woche nach Gründung anmelden. Für dich selbst als Unternehmer ist die Mitgliedschaft je nach Berufsgenossenschaft Pflicht oder freiwillig; der Beitrag richtet sich nach der Gefahrklasse deiner Tätigkeit.

Künstlersozialkasse

Für selbstständige Künstler und Publizisten gibt es einen eigenen Weg: die Künstlersozialkasse. Sie ist keine Versicherung, sondern übernimmt die Rolle des Arbeitgebers und zahlt rund die Hälfte der Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Wer dazugehört und wie die Abgabe für Auftraggeber funktioniert, behandeln wir in einer eigenen Lerneinheit.

Häufige Fragen

Muss ich mich als Selbstständiger krankenversichern?

Ja, die Krankenversicherung ist Pflicht für jeden, der in Deutschland lebt. Die Pflegeversicherung folgt automatisch.

Was zahle ich bei kleinem Einkommen?

In der GKV einen Mindestbeitrag, weil die Kasse mit einer Mindestbemessungsgrundlage rechnet. Das ist der Grund, warum die Krankenkasse im Gründungsjahr häufig die größte feste Ausgabe ist.

Muss ich in die gesetzliche Rente einzahlen?

Nicht als Selbstständiger im Allgemeinen – aber als Handwerker, als Dozent oder bei nur einem Auftraggeber sehr wohl. Prüfe deinen Fall, bevor die Rentenversicherung ihn prüft.

Kann ich mich gegen Arbeitslosigkeit versichern?

Ja, über die freiwillige Weiterversicherung – aber nur innerhalb von drei Monaten nach der Gründung. Diese Frist ist nicht verlängerbar.

Komme ich aus der PKV wieder zurück?

Nicht ohne Weiteres. Plane die Entscheidung über Jahrzehnte, nicht über die ersten Beitragsjahre.

Was dich in diesem Kurs erwartet

Drei Lerneinheiten mit Video und Wissenstest: Einführung und Überblick über die fünf Zweige, gesetzliche und private Krankenversicherung im Vergleich sowie die Rentenversicherung für Selbstständige samt Erwerbsminderungsrente.

Der Kurs gehört zur Gründerberatung der DKMU GmbH und ist über den AVGS der Agentur für Arbeit für dich kostenlos. Weiter geht es mit Arbeitslosigkeit und Gründungszuschuss, Lohnbuchhaltung und Rechtsformen. Alle Themen stehen in der Übersicht Gründerwissen.

Stand der Angaben: Oktober 2026; Beitragssätze und Bezugsgrößen werden jährlich angepasst. Die DKMU GmbH arbeitet gemäß § 6 Nr. 3 und 4 StBerG – dieser Text ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Mehr anzeigen

Was werde ich lernen?

  • ✔ Wie das Sozialversicherungssystem in Deutschland entstanden ist – von Bismarck bis heute.
  • ✔ Die Unterschiede zwischen gesetzlicher & privater Krankenversicherung für Selbstständige.
  • ✔ Warum die Pflegeversicherung für alle Pflicht ist und worauf du achten musst.
  • ✔ Ob du als Gründer in die Arbeitslosenversicherung einzahlen kannst und ob es sich lohnt.
  • ✔ Wann Selbstständige rentenversicherungspflichtig sind und welche Ausnahmen es gibt.
  • ✔ Wie du dich gegen Unfälle absicherst und ob du eine Berufsgenossenschaft brauchst.
  • ✔ Häufige Fehler bei der Sozialversicherung und wie du teure Nachzahlungen vermeidest.

Kursinhalt

1. Sozialversicherung: Einführung
Geschichte und Zweige der gesetzlichen Sozialversicherung, Beitragshöhen und wann Selbstständige rentenversicherungspflichtig sind.

  • Video: Sozialversicherungen I – Einführung
    04:44
  • Coaching: Sozialversicherungen I – Einführung
  • Test: Sozialversicherungen I – Einführung

2. Gesetzliche und private Krankenversicherung
Versicherungspflicht, Beiträge und Beitragsbemessungsgrenze der GKV, die private Krankenversicherung mit ihren Risiken und der Weg zurück in die GKV.

3. Rentenversicherung für Selbstständige
Wann Selbstständige rentenversicherungspflichtig sind, die freiwillige Versicherung, die Rentenformel und die Erwerbsminderungsrente.

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Bewertungen und Rezensionen von Teilnehmern

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Gesamt 8 Bewertungen
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BD
vor 1 Woche
super service
B
vor 3 Wochen
bom
MN
vor 5 Monaten
Top
AS
vor 7 Monaten
Gut aber anstrengendes Thema
Kevin Kötz
vor 8 Monaten
师傅教的很好
NE
vor 8 Monaten
:-)
Halime Uzun
vor 9 Monaten
:)
SG
vor 1 Jahr
super