5.00
(6 Bewertungen)

Die häufigsten Fehler beim Start in die Selbstständigkeit

Unkategorisiert
Wunschliste Teilen

Über den Kurs

Jeder Unternehmer läuft im Laufe seiner Tätigkeit in mehrere dieser Stolperfallen. Die meisten davon sind vermeidbar – man muss sie nur einmal gesehen haben. Dieser Kurs fasst die gängigsten Fehler zusammen, und zwar ausdrücklich für alle, die nicht die vollständigen Gründerberatungskurse besuchen. Wir erzählen sie an einem Gründer, der alles falsch macht, was man falsch machen kann. Nennen wir ihn Hans.

1. Gründung aus der Arbeitslosigkeit – ohne Förderung

Hans meldet sein Gewerbe direkt im Haupterwerb an. Er beantragt keinen Gründungszuschuss. Damit verliert er zwei Dinge gleichzeitig: die Förderung und die restlichen Anspruchstage auf Arbeitslosengeld.

Das ist der teuerste Fehler des ganzen Kurses, weil er sich nicht nachholen lässt. Der Gründungszuschuss ist kein Bonus, sondern die Erlaubnis, neben dem Arbeitslosengeld I Einkünfte aus der Selbstständigkeit zu erzielen – ohne Abzüge. Wer vorher gründet, steht ohne beides da. Wie es richtig geht, steht im Kurs Arbeitslosigkeit und Gründungszuschuss.

Dazu kommt Hans‘ optimistische Gewinnprognose: Stundensatz × Arbeitszeit × 12. Diese Rechnung unterstellt, dass jede Arbeitsstunde bezahlt wird – also 100 Prozent Auslastung, ohne Angebote, Buchhaltung, Fahrtzeit, Urlaub oder Krankheit. Sie ist in jedem Gewerbe falsch.

2. Der erste Flyer

Hans gestaltet ihn selbst. Darauf finden sich:

  • ein Screenshot aus Google Maps als Standortkarte – eine Urheberrechtsverletzung,
  • kein Impressum und unvollständige Kontaktdaten,
  • ein unprofessionelles, teilweise geklautes Logo,
  • und, nicht verboten aber wirksam: Rechtschreibfehler und unleserliche Schriftarten.

Die Kartengrafik ist der Punkt, der am häufigsten abgemahnt wird, weil er so leicht zu finden ist. Welche Bilder und Karten du nutzen darfst, zeigt der Kurs Urheberrecht für Gründer; zum Logo gehört der Kurs Markenrecht.

3. Die Website aus dem Baukasten

Hans baut sie selbst, und sie hat sechs Mängel auf einmal:

  • kein Cookie-Hinweis,
  • fehlendes oder unvollständiges Impressum und keine Datenschutzerklärung,
  • Google Fonts ohne lokale Einbindung – damit gehen bei jedem Besuch Daten an Google,
  • mangelnde Ladegeschwindigkeit,
  • keine SSL-Verschlüsselung – http statt https.

Jeder einzelne Punkt ist abmahnfähig, und alle fünf sind an einem Nachmittag behebbar. Ausführlich im Kurs Rechtliche Risiken bei Websites; die Technik dahinter im Kurs Online Marketing.

4. Aufträge ohne Papier

Hans erstellt kein Angebot und keinen Kostenvoranschlag, schickt keine schriftliche Auftragsbestätigung und vereinbart alles mündlich – also kein Beweis im Streitfall. Seine AGB fehlen oder sind unzureichend, etwa zu Haftung und Rücktritt.

Der Vertrag ist dabei trotzdem wirksam – mündliche Verträge gelten. Nur beweisen kann Hans nichts. Die Regel aus dem Kurs Vertragsrecht: Formfrei heißt nicht beweisfrei. Jeder Auftrag über 500 Euro bekommt eine schriftliche Bestätigung, per E-Mail genügt. Zu den AGB: AGB und Widerrufsrecht.

5. Die Stellenanzeige

Hans sucht im Internet „fleißige Männer, die was schaffen wollen“ und „eine hübsche Sekretärin“ mit dem Zusatz „am besten Deutsch“. Es fehlt der Hinweis auf m/w/d, es fehlen Angaben zu Vergütung, Arbeitsort und Kontaktmöglichkeiten außerhalb von Facebook – und es fehlt der Hinweis auf eine Fahrtkostenerstattung.

Diese Anzeige verstößt gleich mehrfach gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz: Geschlecht, Herkunft, Sprache. Jeder abgelehnte Bewerber kann daraus einen Entschädigungsanspruch ableiten – ohne die Stelle überhaupt gewollt zu haben. Der Kurs dazu: AGG-konforme Stellenanzeigen.

6. Das Bewerbungsgespräch

Hans verlässt sich auf seine Intuition und stellt jedem Bewerber völlig andere Fragen. Den „fleißigen Mann“ fragt er, ob er Muslim sei und warum es so viele Konflikte im Nahen Osten gebe. Die „hübsche Sekretärin“ fragt er direkt, ob sie vorhabe, bald schwanger zu werden.

Beide Fragen sind unzulässig – und auf die unzulässige Frage darf die Bewerberin sogar die Unwahrheit sagen, ohne dass das später gegen sie verwendet werden kann. Dazu kommt das Beweisproblem: Wer jedem andere Fragen stellt, kann eine Ablehnung nicht sachlich begründen. Welche Fragen erlaubt sind und wer die Fahrtkosten trägt, steht im Kurs Bewerbungsgespräche rechtssicher führen.

7. Die Kalkulation

Hans kalkuliert unzureichend:

  • Er vergisst Fixkosten wie Versicherungen, Steuern, Miete – und seine eigene Arbeitszeit.
  • Er hat keinen Puffer für unerwartete Ausgaben oder eine schlechtere Auftragslage.
  • Er plant mit 100 Prozent Auslastung.
  • Er gibt Rabatte und Sonderpreise, ohne vorher zu rechnen.

Die eigene Arbeitszeit zu vergessen ist dabei der folgenschwerste Punkt: Wer sich selbst nicht einrechnet, arbeitet für den Umsatz und nicht für den Gewinn – und merkt es erst, wenn die Steuererklärung kommt.

8. Der erste Newsletter

Hans will günstig und schnell durchstarten und kauft E-Mail-Adressen potenzieller Geschäftskunden. Er versendet ungefragt Newsletter an alle – illegal und Spam. Dazu fehlt der Hinweis auf die Abmeldemöglichkeit, es gibt keine Personalisierung, alle sehen dieselbe generische Anrede, und die Betreffzeile („Jetzt kaufen!“) bietet keinen Mehrwert.

Werbemails ohne Einwilligung sind ein Wettbewerbsverstoß und ein Datenschutzverstoß in einem – und gekaufte Adressen liefern nie eine wirksame Einwilligung.

9. Die Steuervorauszahlung

Hier schließt sich der Kreis zur optimistischen Prognose: Das Finanzamt setzt die Vorauszahlungen anhand der Zahlen fest, die Hans selbst im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung angegeben hat. Weil die zu hoch waren, zahlt er Steuern auf einen Gewinn, den er nie gemacht hat. Die Folge: Liquiditätsprobleme, keine Rücklagen, Panik.

Wer die Zahlen im Fragebogen realistisch ansetzt, verhindert diesen Fehler mit einer einzigen Zeile – siehe Unternehmensgründung in Deutschland.

Vier Arten von Risiken

Der Kurs sortiert die Gefahren in vier Gruppen, und für jede gibt es im Lernstoff eine eigene Vertiefung:

Gruppe Themen
Abgabenbezogen Liebhaberei, Scheinselbstständigkeit, Steuern und Betriebsprüfung
Arbeitsrechtlich AGG, Bewerbungen, Sofortmeldepflicht
Rechtlich Urheberrecht, Markenrecht, AGB und Widerrufsrecht, Website und Datenschutz
Psychisch und gesundheitlich Psyche, Berufsfähigkeit und betriebliche Versicherungen

Das Risiko, über das niemand spricht

Die vierte Gruppe wird in Gründerkursen fast immer übersprungen – und ist in der Praxis die häufigste Ursache für ein Scheitern, das sich nicht in Zahlen ausdrückt.

  • Finanzielle Unsicherheit, besonders in den ersten Jahren: ungewisse Einnahmen, unregelmäßige Zahlungsströme, Schwankungen im Geschäftsumfeld. Das verursacht Stress und Angst.
  • Work-Life-Balance. Der Kurs formuliert es ungewohnt genau: Wer selbstständig wird, muss sich vom Denken des Lohnangestellten trennen. Das Erste, was sich ändert, ist, dass man nicht mehr gezwungen ist zu arbeiten – aber auch nicht mehr gezwungen werden kann, freizunehmen. Zusätzliche Freiheitsgrade sind nützlich und nachteilig zugleich.
  • Bürokratie als zusätzliche, unproduktive Arbeit.
  • Die Krankenversicherung ist Pflicht. Die private ist gewinnorientiert, kann unbarmherzig sein und langfristig teurer werden; die gesetzliche ist teuer und umständlich. Mehr dazu im Kurs Sozialversicherung für Selbstständige.
  • Verfügbarkeit. Es können jederzeit Briefe mit Forderungen, Pflichten oder Abmahnungen kommen. Den Briefkasten muss alle paar Tage jemand prüfen – auch im Urlaub.
  • Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit. Im Geschäft mit Privatkunden muss man namentlich in Erscheinung treten. Viele Menschen ziehen Anonymität vor; das ist ein echter Preis der Selbstständigkeit und keine Kleinigkeit.
  • Isolation und Einsamkeit. Selbstständige arbeiten oft allein und haben weniger Kontakt als Angestellte.

Häufige Fragen

Was ist der häufigste Fehler überhaupt?

Die Reihenfolge. Erst anmelden, dann über Förderung nachdenken – so verliert man den Gründungszuschuss und die restlichen Anspruchstage auf Arbeitslosengeld.

Warum ist eine optimistische Prognose gefährlich?

Weil das Finanzamt die Steuervorauszahlungen daraus ableitet. Du zahlst dann Steuern auf Gewinn, den du nie gemacht hast.

Reicht ein Baukasten für die erste Website?

Technisch ja, rechtlich meist nicht. Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Hinweis, HTTPS und lokal eingebundene Schriften müssen trotzdem sitzen.

Darf ich Adressen für Werbung kaufen?

Nein. Werbemails ohne Einwilligung sind unzulässig, und gekaufte Adressen liefern keine wirksame Einwilligung.

Ich bin Einzelkämpfer – betrifft mich das Arbeitsrecht überhaupt?

Ab der ersten Stellenanzeige ja. Das AGG greift schon vor der Einstellung, auch ohne einen einzigen Mitarbeiter.

Was dich in diesem Kurs erwartet

Die Lerneinheit führt durch die typischen Stolperfallen eines Gründers – Schritt für Schritt an einem Beispiel, von der Anmeldung über Flyer, Website, Aufträge, Personalsuche und Kalkulation bis zur Steuervorauszahlung – und ordnet sie in die vier Risikogruppen ein: psychisch, rechtlich, arbeitsrechtlich und abgabenbezogen.

Der Kurs gehört zur Gründerberatung der DKMU GmbH und ist über den AVGS der Agentur für Arbeit für dich kostenlos. Weiter geht es mit Unternehmensgründung in Deutschland, Arbeitslosigkeit und Gründungszuschuss und Rechtsformen. Alle Themen stehen in der Übersicht Gründerwissen.

Stand der Angaben: Oktober 2026. Dieser Text gibt den Inhalt unseres Kurses wieder und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Mehr anzeigen

Kursinhalt

Häufigsten Fehler beim Start in die Selbstständigkeit

  • Häufigsten Fehler beim Start in die Selbstständigkeit
    09:37

Bewertungen und Rezensionen von Teilnehmern

5.0
Gesamt 6 Bewertungen
5
6 Bewertungen
4
0 Bewertung
3
0 Bewertung
2
0 Bewertung
1
0 Bewertung
MN
vor 4 Monaten
TOP
Carolin Yildiz
vor 8 Monaten
Informativ
NE
vor 8 Monaten
toll
MT
vor 9 Monaten
Top
A
vor 12 Monaten
ja allerdings hatte ich den Eindruck, dass es nur eine Einführung war und ich auf den eigentlichen Inhalt nicht zugreifen konnte. Ist dieser bereits freigeschaltet?
SG
vor 1 Jahr
Informativ